{"id":1386,"date":"2020-03-30T11:21:28","date_gmt":"2020-03-30T09:21:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.artland-gymnasium.de\/wordpress\/?p=1386"},"modified":"2025-08-07T19:10:35","modified_gmt":"2025-08-07T17:10:35","slug":"salutogenese-grundlegendes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.artland-gymnasium.de\/wordpress\/2020\/03\/30\/salutogenese-grundlegendes\/","title":{"rendered":"Salutogenese &#8211; Grundlegendes"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Salutogenese im Schulalltag \u2013 wie geht das?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie lassen sich gesundheitsf\u00f6rdernde Prozesse initiieren in einem Unterricht, der dominiert wird von kognitiven Lernprozessen, der Vermittlung von Strukturen, Kenntnissen, Fakten, Daten, Kompetenzen, Techniken, Methoden, von Lernerfolgskontrollen und Noten?<br>Diese Frage war der Startschuss f\u00fcr einen Modellversuch in der 10B, in dem es darum ging Beziehungen innerhalb der Lerngruppe und zwischen Sch\u00fclern und Lehrern mithilfe sch\u00f6pferischer Gestaltung g\u00fcnstig zu beeinflussen und damit mangelndem Sozialverhalten vorzubeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Idee zu diesem Modellprojekt hatte sich in Vorgespr\u00e4chen zur schulinternen Lehrerfortbildung entwickelt und wurde von Eckard Schiffer, Chefarzt i.R. der Abteilung f\u00fcr Psychosomatische Medizin mit Familientherapeutischem Zentrum am Christlichen Krankenhaus Quakenbr\u00fcck begleitet. Neben der Klassenlehrerin erkl\u00e4rten sich weitere Kollegen bereit, an diesem Projekt teilzunehmen. Der Einladung der Englischlehrerin folgend, besuchte Eckhard Schiffer die Lerngruppe einige Male w\u00e4hrend des Schuljahres.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e&nbsp;<em>Die Englischlehrerin, die zugleich auch Klassenlehrerin war, konnte mit gro\u00dfem Geschick intermedi\u00e4re R\u00e4ume im Unterricht erm\u00f6glichen, wobei sie stets selbst und gelegentlich auch ich in den Prozess mit einbezogen waren. Als Beispiel hierf\u00fcr:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Improvisationstheater Romeo and Juliet:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler bekamen ein \u201eHandout\u201c, in dem mit f\u00fcnf Szenenskizzen und verbindendem Text \u2013 alles in Englisch \u2013 das Drama vorgestellt wurde mit nach Hause. Zur n\u00e4chsten Doppelstunde sollten sie irgendein Kost\u00fcmteil oder Requisit f\u00fcr szenische Improvisationen mitbringen und das Handout sprachlich vorbereiten. F\u00fcr jede der f\u00fcnf Szenenskizzen wurde durch Los eine Gruppe zwischen drei und sieben Teilnehmern bzw. Teilnehmerinnen zusammengestellt. Die Gruppen hatten 30 Minuten Zeit \u201esich zu finden\u201c, die Rollenverteilungen auszuhandeln, die Reihenfolge f\u00fcr die Improvisationsdialoge zu erstellen und sich zu \u201ekost\u00fcmieren\u201c. Dies alles in englischer Sprache. Nach anf\u00e4nglicher Beklommenheit, insbesondere in den beiden Gruppen, denen Liebesszenen zugefallen waren, war Stimmung zunehmend gel\u00f6ster. Gel\u00e4chter beim Ausprobieren papierener Masken und Kronen &#8211; au\u00dfer der Lehrerin hatte kaum jemand etwas als Kost\u00fcmandeutung Verwendbares mitgebracht. Sp\u00e4testens bei der Auff\u00fchrung \u2013 auch die selbstverst\u00e4ndlich in englischer Sprache &#8211; zeigte sich eine kreative Kooperativit\u00e4t in jeder Gruppe. Deren Akteure unterst\u00fctzten sich wechselseitig. Keiner wurde auch nur andeutungsweise ausgelacht. Jeder konnte sich nach seinen M\u00f6glichkeiten und englisch sprachlichen Kenntnissen und F\u00e4higkeiten entfalten und die jeweils Zuschauenden belohnten die Akteure mit freudigem und anerkennendem Beifall. Nur drei Stunden sp\u00e4ter meldeten sich Sch\u00fcler anderer Klassen, die auch mal \u201eso etwas\u201c machen wollten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Noten-Leistungsdruck spielte nach meinem Eindruck kaum eine Rolle. Zum einen, weil die Lehrerin selber mitspielte, zum anderen weil eine Klassen-Gesamtnote vergeben wurde, die mit ihrer Punktzahl f\u00fcr jeden einzelnen gleicherma\u00dfen galt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Vorausgegangen waren vergleichbare Aktivit\u00e4ten, wie die gemeinsame Gestaltung eines englischen Studentenwohnheimes aus Einzelelementen, der Gesamtentwurf einer Rede &#8211; aus Einzelstatements zu dem \u201eWert von Bildung\u201c \u2013 an ein Mitglied des englischen Parlaments oder das Singen englischer Lieder .<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Das spielerisch-spontane Zusammenf\u00fcgen der jeweiligen Einzelintentionen der Sch\u00fcler erm\u00f6glichte nach anf\u00e4nglichem \u201eBefremdeln\u201c (\u201eWas bringt mir das?\u201c) zunehmend intensive Mentalisierungsprozesse in einem empathischen Klima. Unter neuropsychologischen Gesichtspunkten handelte es sich dabei um eine \u201ekontrollierbare Stressreaktion\u201c mit besonders intensiven Lerneffekten. ( Kp. 6, s. S. &#8230;). Zugleich konnte via Spiegelneurone eine bedeutsame Motivationsf\u00f6rderung angenommen werden, indem die Lehrerin nicht nur daneben stand, sondern aktiv mitmachte obgleich auch f\u00fcr sie z. B. Theaterimprovisationen Neuland darstellten. Zugewandtheit, Kooperativit\u00e4t und Hilfsbereitschaft der Sch\u00fcler untereinander hatten \u2013 bei einer respektablen Ausgangslage \u2013 besonders im zweiten Halbjahr noch deutlich zugenommen \u2013 so die Wahrnehmung der Klassenlehrerin.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eckhard Schiffer, &#8230;&#8230;.,<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende des Projektes erl\u00e4uterte Eckhard Schiffer, der in der Klasse mittlerweile ein gern gesehener Gast geworden war, den Sch\u00fclern die Hintergr\u00fcnde zu dem, was sie im Englischunterricht praktiziert hatten. In ihren R\u00fcckmeldungen waren sich die Sch\u00fcler einig:<br>\u201eMan kann etwas vorstellen, ohne dass man sofort ausgelacht wird. Ich hatte nicht die Angst ausgelacht zu werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEnglisch hat mir Spa\u00df gemacht\u201c<br>\u201eDr. Schiffers Anwesenheit wirkte nicht st\u00f6rend, weil er immer mitgemacht hat.\u201c \u201eIch fand gut, dass Frau Sablotny immer mitgemacht hat.\u201c<br>\u201eEs hat mir Spa\u00df gemacht, ich hatte mehr Freude am Unterricht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Fortsetzung des Modellversuchs ist geplant und zwar in einer 8ten Klasse. Herr Dr. Schiffer hat sich bereit erkl\u00e4rt, auch dieses Projekt zu begleiten und die Lerngruppe kennen gelernt. Die Sch\u00fcler sind einverstanden und warten gespannt, auf das, was kommt. Vorgespr\u00e4che zwischen der Englischlehrerin und dem Klassenlehrer haben bereits stattgefunden. Die Kollegen werden in K\u00fcrze informiert, ebenso wie die Eltern, die zu Beginn des Schuljahres informiert und miteinbezogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem Projekt ist das AGQ weit und breit die einzige Schule, die im bestehenden System gesundheitsf\u00f6rdernde Prozesse im Unterricht initiiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Maria Sablotny<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Salutogenese im Schulalltag \u2013 wie geht das? 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